
Brauchen wir überhaupt ein Waffengesetz?
Vor einigen Tagen habe ich mit einem Herrn einer Waffenbehörde
gesprochen. Ein wirklich kundiger Beamter, der das Gesetz im kleinen Finger
hat. Mir gegenüber ist er recht vorsichtig, er kennt ja meine Einstellung zu
manchen Bestimmungen des Gesetzes und meine Kritik am Vollzug. Aber das war
trotzdem ein recht wertvolles Fachgespräch und so etwas ist immer wichtig.
Im Verlauf der Unterhaltung sagte er zu mir: „In Wirklichkeit wollen Sie uns
ja alle abschaffen!“
Das hat mich nachdenklich gemacht. Will ich wirklich
die Waffenbehörde abschaffen? Will ich vielleicht sogar das Waffengesetz
abschaffen?
Manche Staaten haben gar kein Waffengesetz, manche haben nur
recht einfache, sparsame Regeln, manche machen es kompliziert und regeln
alles bis ins Detail, manche verbieten fast alles. Eine reiche Palette
gesetzlicher Regelungen.
Vor allem in den USA kann man das ganz gut
beobachten und auch analysieren. In einigen Staaten der USA gibt es gar kein
Waffengesetz (Vermont etwa), manche sind äußerst liberal (Texas, Utah,
Montana oder Florida z.B.) und manche haben strenge Gesetze bis hin zu
totalen Waffenverboten (Washington DC, Chicago oder New York). Interessant
ist, daß gerade die Staaten mit den strengsten Waffengesetzen die höchste
Kriminalitätsrate aufweisen. Dabei ist die sonstige Gesetzeslage und die
Struktur der Bevölkerung durchaus vergleichbar, was die USA zu einem guten
Beispiel für die Sinnhaftigkeit und die Wirksamkeit von Waffengesetzen
macht.
Was noch bemerkenswert ist: Staaten mit einem Demokratiedefizit,
Staaten mit einer diktatorischen Regierung oder totalitäre Staaten haben
ausnahmslos ein äußerst strenges Waffengesetz bis hin zu totalen
Waffenverboten. Staaten mit einer intakten Demokratiestruktur, Staaten mit
einer liberalen, bürgerfreundlichen Gesetzgebung und Staaten mit einer hohen
Rate an Bürgermitbestimmung haben auch liberale Waffengesetze, oft sogar
auch Garantien des privaten Waffenbesitzes. Manchmal auch
verfassungsrechtlich abgesichert wie in den USA.
Sieht man sich die
Kriminalitätsraten in den einzelnen Staaten an und setzt sie in Relation zu
den dort herrschenden Waffengesetzen, so stellt man fest, daß eine liberale
Waffengesetzgebung regelmäßig mit einer niedrigen Kriminalität einhergeht.
Auch hier können wieder die USA als gutes Beispiel dienen, wobei man
natürlich hier von der dortigen allgemeinen Kriminalitätsrate ausgehen muß.
Für den Juristen, der sich auch mit den Wirkungen von Gesetzen beschäftigt,
ist das klar und folgerichtig:
Das Waffengesetz kann keine Verbrechen
verhindern oder eindämmen. Es wendet sich nur an die normalerweise
rechtstreuen Bürger, die sich auch sonst an Gesetze zu halten pflegen. Nur
diese werden die Vorschriften des Waffengesetzes beobachten und befolgen.
Die Hoffnung, auch Verbrecher würden sich durch das Verbot ihrer Tatmittel
von der Begehung von Straftaten abhalten lassen, wird sich und kann sich
nicht erfüllen. Wer raubt und mordet, wird sich auch um ein Waffenverbot
nicht kümmern. Der Schwarzmarkt bietet ohnehin alles, was das Verbrecherherz
begehrt.
Brauchen wir also ein Waffengesetz?
Nicht wirklich. Ein
Waffengesetz nützt nichts, kostet unglaublich viel im Vollzug und in der
Verwaltung und drückt ein Mißtrauen der Herrschenden gegenüber dem Volk, dem
wahren Herrscher in einer Demokratie aus. Außerdem begünstigt es den
Straftäter gegenüber seinen Opfern, indem es den Opfern die nötigen
Verteidigungsmittel vorenthält.
Ich bin Realist. Abschaffen werde ich das
Waffengesetz natürlich nicht können. Wir sind ja im undemokratischen
EU-Völkerkerker gefangen, aus dem es derzeit kein Entrinnen gibt
Ich will
es aber auch gar nicht abschaffen. Aber es sollte liberal werden,
bürgerfreundlich, opfergerecht und sparsam zu vollziehen. Das ginge sogar
innerhalb der EU.
Gelingt das, könnten wir schon zufrieden sein.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Georg Zakrajsek